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Programm
A B G E S A G T ! Ersatztermin in Planung
So. 08.11.2020 // 20:00 | Pop/Dance

Caribou


// GS: € 35,9/39,9/44,9 // Tickets!


Caribou (c) Thomas Neukum

Auf "Suddenly", dem fünften Album von Caribou, erklärt Dan Snaith aus Kanada seinen Dance-Pop zur Familien-Angelegenheit.

"Sollbruchstelle" - was für ein herrliches Wort der deutschen Sprache! Es klingt schön und schief, so wie die Songs auf dem neuen Album von Caribou. Das trägt den knappen Titel "Suddenly". Den hat sich Caribous jüngste Tochter ausgedacht. "Suddenly" ist ein Album voller Sollbruchstellen.

Wikipedia sagt: "Eine Sollbruchstelle ist eine durch eine besondere Struktur, Gestalt oder Konstruktion (meist eine Materialverjüngung) bestimmte Stelle, die bei Belastung oder Überlast vorhersagbar bricht. Das kann zum Beispiel eine Kerbe, eine Perforation oder eine Ritzspur sein."

Caribou sagt: "Der Titel "Suddenly" steht für all die unvorhersehbaren Ereignisse, die einem so im Leben passieren und die sich nicht selten als entscheidend herausstellen. Und er steht für die Purzelbäume, die die Musik auf diesem Album schlägt."

Caribou heißt mit bürgerlichem Namen Dan Snaith. Wie sein Vater ist der in Kanada aufgewachsene und mittlerweile in London lebende Musiker auch studierter Mathematiker. Das hilft beim Systematisieren der Ideen. Und Ideen hat Caribou viele. Über 900 Soundschnipsel, Sampels, Gitarren-Riffs, Textfragmente und Songskizzen hat er seit seinem letzten Album "Our Love" gesammelt, das vor knapp fünf Jahren erschienen ist.

"Ich gehe fast jeden Tag für ein paar Stunden in mein Home-Studio und lasse den Einfällen freien Lauf. Und irgendwann zeichnet sich in diesem Haufen ein größeres Bild ab, ein Thema, ein musikalischer Überbau. Die Herausforderung ist dann, dieses Puzzle zusammenzusetzen."

Dan Snaith ist eine sympathische Erscheinung. Der 42-Jährige gibt nicht vor, etwas anderes zu sein, als er ist. Das Täuschen mag im Pop zwar reizvoll sein, bei Snaith ist es jedoch vergebene Liebesmühe. Die hohe Stirn, die große Retro-Brille, das dezent stylische T-Shirt, die neugierigen Augen, das alles lässt Snaith wie einen leicht coolen, aber doch total normalen Matheprofessor wirken.

Snaith ist ein sogenannter Multiinstrumentalist, der verdammt gut Schlagzeug spielen kann. Er kennt sich mit synthetischen Klängen ebenso aus, wie mit Yacht-Rock-Riffs, House-Beats und Soul-Samples. Seine DJ-Sets dauern schon mal acht Stunden. Die Alben produziert er selbst.

Die erste Single des neuen Albums trägt den programmatischen Titel "Home". Der Musikheimwerker Snaith ist in seine Hausschuhe geschlüpft, ins Heimstudio geschlapft, hat dort den Soul-Song "Home" von Gloria Barnes aus dem Jahr 1971 gesampelt und zu einem der warmherzigsten Tracks zusammengeschraubt, seitdem man Pop in Nullen und Einsen denken kann.

"Home" ist dabei eines der wenigen Stücke, die - und jetzt sind wir endlich beim Wort des Tages - ohne Sollbruchstelle auskommen. Bei anderen Songs kann es hingegen passieren, dass einem beim Tanzen der Boden unter den Füßen weggezogen wird.

So wie in "Lime". Der Tune beginnt verspielt wie ein Stück von Whirlpool Productions. Plötzlich, bei Minute 02.04, erschlafft der 4/4-Beat, wir hören ein Windrauschen und dann nimmt der Song wieder Fahrt auf, gerät aber in ruhigere Gewässer. Zunächst setzt eine Handtrommel ein, dann gesellt sich ein Na Na Na-Chor im Stile eines 60er-Jahre-Schlagers dazu.

Mit einer weiteren Sollbruchstelle wartet der Song "Sunny’s Time" auf. In den ersten Takten variiert Caribou ein Klavierthema. Seine dünne Falsett-Stimme wirkt noch brüchiger als sonst. Dann biegt der Track ab. Eine fremde Männerstimme beginnt zu rappen. Über dem Song hängen nun dunkle Wolken. In den letzten Takten leiert das Klavier, wie eine vage Erinnerung an den Anfang.

Wer war dieser Rapper? Und warum implodieren in den Non-Single-Tracks ständig Melodien, Rhythmen und Sounds? "Der Rapper ist keiner", so Caribou. "Besser gesagt, es ist kein Feature. Ich habe einen sehr bekannten Rapper gesampelt und seine Stimme so verfremdet, dass sie hoffentlich niemand erkennt, sonst wird es teuer."

Und die Brüche in den Tracks? "Ich habe am letzten Album "Our Love" den Pop-Sound von Caribou perfektioniert. Das waren glanzvolle und harmonische Stücke. "Suddenly" funktioniert hingegen wie einer dieser alten Slapstick-Filme: Jemand läuft die Straße entlang und übersieht das Warnschild "Vorsicht Baustelle". Als nächstes fällt er in ein Loch."

Nicht das jetzt der falsche Eindruck entsteht. Caribou arbeitet weder an der künstlerischen Zerstörung, noch will er uns mit Schlaglöchern pranken. Der Ehemann und Familienvater arbeitet sich vielmehr an einem Satz ab, der (fälschlicherweise) John Lennon in den Mund gelegt wurde: "Life is what happens to you while you’re busy making other plans".

Gemeint sind all die unerwarteten Tragödien, die ein Leben durcheinanderwirbeln und auf die man oft nur weing Einfluss hat. "In den vergangenen Jahren gab es viele kleine und große Katastrophen in meiner Familie und im Freundeskreis: Tod, Scheidung, Krankheit", so Snaith im FM4-Interview. "Ich musste für viele Menschen als Anker funktionieren."

Diese Verwerfungen hat Caribou auf "Suddenly" zu Sound gemacht. Snaiths Antworten auf die Herausforderungen des Lebens fallen allerdings nicht grimmig aus. Auf "Suddenly" zeigt sich Caribou als proper Soul-Man, der seine Menschenfreundlichkeit als Stärke begreift.

Die Familie steht im Zentrum der Texte. Bei Caribou reicht diese allerding über den eigenen Genpool hinaus. Das Eröffnungsstück "Sister" enthält ein Vocal-Sample seiner Mutter und beschäftigt sich mit dem Thema #Metoo. Snaith besingt nicht die leibliche Schwester, sondern den "Brother" als Platzhalter für überkommene Männerbilder.

"Der Song zielt nicht auf die spektakulären #Metoo-Fälle ab, die in den Medien kursieren. Man muss sich nur im eigenen Bekanntenkreis umhören. Es ist verstörend, was da an schlimmen Erfahrungen ans Tageslicht kommt.", so Caribou.

Auf "Suddenly" wagt sich der Nerd weit ins Soziale - ein großer Schritt für Caribou. Die Entwicklung von den fantastisch zusammengezimmerten Traumwelten der Anfangsjahre (vlg. "Andorra", 2007) hin zur konkreten Erfahrung des Familienlebens ist für Snaith eine logische. Caribou hat House-Schlapfen angezogen. Tanzen kann man zu seiner Musik immer noch, aber Vorsicht bitte vor den Sollbruchstellen.

FM4 / Christian Lehner

Caribou has partnered with PLUS1 so that 1 EUR from every ticket sold will go to a climate focused non-profit. More details on the specific charities soon.

Aktuelles Album: "Suddenly" (2020), City Slang

Freitag, 30. Oktober 2020

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