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Programm
Posthof Konzert-Abo
Sa. 09.12.2017 // 20:00 | Neo-Klassik

Martin Kohlstedt


// KS (Sitzpl.): € 19/21/24 (Einzelpreis) // Tickets!


Martin Kohlstedt; Quelle: Ink Music

Er ist neben Nils Frahm und Max Richter der wohl spannendste Protagonist der Neoklassik, die in den letzten Jahren vor allem von Deutschland aus zur globalen Bewegung anwuchs. Bekannt geworden ist der junge Komponist und Pianist aus Thüringen durch seine Konzerte, bei denen er das Tastenspiel oft bis zur exzessiven Körperlichkeit treibt. Seine modularen Kompositionen tänzeln anfangs leicht umher, springen von hier nach da in kleinen Verwirbelungen. Doch es ist eine trügerische Idylle, denn gemeinsam treiben die Teilchen unausweichlich auf die nächsten Stromschnellen zu.

Martin Kohlstedts neuestes Opus "Strom" ist mit seinen Kaskaden aus Brechungen und Verstärkungen ein Handstreich der Unbarmherzigkeit, das Klavier den Elementen auszusetzen. Im Fluss der 9 Stücke löst sich der Komponist auf und macht Musik in ihrer ureigensten Dynamik erfahrbar. Man wird Zeuge davon, wie sich Nähe und Intimität zu Weite und Gewalt wandeln, sowie Schönheit in alledem zu finden ist - vor allem aber im Vergehen. Konsequent entwickelt "Strom" dabei verschiedenste Formwelten, erscheint neblig gefährlich, dann wieder ganz direkt, fast verspielt, bis hin zum Erstarren vor der eigenen Größe. Allerdings wurden für "Strom" keine Pointen erdacht und keinerlei Maß genommen. Stattdessen wirkt es so, als ob Martin Kohlstedt es geschafft hätte, der Intuition ein Monument zu bauen.

Dabei sind unabänderliche Denkmäler gar nicht Kohlstedts Spezialität, ganz im Gegenteil. Nach zwei Solo-Piano-Alben legte er Schablonen für das Instrument ab und entwickelte seine eigene Selbstverständlichkeit, Elektronik und Effekte so zu spielen, als seien sie nur weitere Tasten auf der schwarzweißen Klaviatur.

"Strom" ist Martin Kohlstedts drittes Studioalbum und ebenso ein Destillat dieser Entwicklung wie auch ein Blick in die Zukunft: Bevor der Komponist auf sein Publikum trifft, prallt er in diesem Raum mit sich selbst zusammen. Inszenierung ist hier fehl am Platz. Sound und Struktur treten hinter den Wunsch, mit der Musik andere Orte zu erreichen. Man hört dem nach - seinen Händen, die all die Arbeit verrichten, feinfühlig und größenwahnsinnig zugleich. Und bleibt doch ganz bei sich, wie auf seinen Konzerten, wo Kohlstedt den Resonanzkörper - sein Publikum - findet, bei dem die Musik vollends in Fluss gerät.

Präsentiert von Intro, Byte.fm, detektor.fm und radioeins

Aktuelle CD: "Strom" (2017), Edition Kohlstedt

Montag, 21. Mai 2018

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