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Programm
Sa. 20.02.2021 // 20:00 | Indie-Pop

Lola Marsh


// GS (num. Sitzpl.): € 26/29/32 // Tickets!


Lola Marsh (c) Michael Topyol

Ersatztermin für 9.10.2020

Die Indie-Folk-Pop-Band aus Tel Aviv meldet sich nach ihrem Debutalbum mit einem neuen Album zurück. Israels wohl bekanntester Musikexport nennt sein freudig erwartetes zweites Werk "Someday Tomorrow Maybe".


Lola Marsh sind verhalten und ungestüm, dynamisch, aber auch beruhigend und sanft. Sie sind modern und retro, old-school und up-to-date, akustisch und groovend, voller Leichtigkeit, aber auch der Melancholie verbunden. Lola Marsh haben tolle Melodien und ebensolche Arrangements. Das Duo macht bittersüßen Barock-Pop, der auch schon mal ins Kitschige gehen darf.

Yael und Gil von Lola Marsh sind ein bisschen wie Angus & Julia Stone, und zusammen auch wie David Lynch, oder - mit der selbstbewussten und gleichzeitig fragilen Stimme von Yael - wie Lana del Rey. Aber letzterer Vergleich nervt ja schon etwas. Trotzdem für alle, die es nicht wussten: Yael Shoshana Cohen trug vor einigen Jahren bei "The Voice Of Israel" ihre Version vom Song "Video Games" von Lana del Rey vor.

Lola Marsh sind also so vieles und letztlich doch niemand anderes als Lola Marsh, dieses israelische Duo mit meist kompletter Band, zu dessen kleinem Hit "Wishing Girl" vor zwei Sommern alle getanzt haben.
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Das erste Mal konnte man Lola Marsh in Österreich beim Songschreiber*innen-Festival namens Blue Bird im Wiener Porgy & Bess sehen, wo Yael Shoshana Cohen und Gil Landau gut hinpassten. Jazzclub und so, ich denke an dieses Timbre in der Stimme von Yael Shoshana Cohen. Das war vor etwas über vier Jahren. Im Jahr davor spielten Lola Marsh jenen Gig am Primavera Festival in Spanien, der ihnen einen ordentlichen Schub gab. Seither hat sich viel getan bei Lola Marsh. Aus dem Geheimtipp aus Tel Aviv wurde ein internationaler Pop-Act. Das vielbeachtete Debutalbum "For The Roses" folgte im Sommer 2017 auf die "You’re Mine"-EP, erschien im Sommer 2017 und begeisterte international. Es enthielt neben Songs wie "Sirens" oder "You’re Mine" etwa ein Cover vom Song "Something Stupid" - von Frank Sinatra und seiner Tochter Nancy bekannt gemacht - für die US-Fernsehserie "Better Call Saul".

Bei ihrem Headliner-Auftritt beim FM4-Geburtstagsfest in der Ottakringer Brauerei in Wien stellten Lola Marsh dann auch schon Songs aus ihrem neuen Album "Someday Tomorrow Maybe" vor.

Der Titel vom neuen Lola-Marsh-Album klingt unentschlossen, etwas was die Band ganz und gar nicht ist. Lola Marsh sind fokussierter denn je, selbstbewusster und zielstrebiger, ohne einen gewissen verhuschten Indie-Charme verloren zu haben.

Ein Charme, der etwa auch rüberkommt wenn man mit Lola Marsh ein Interview macht oder einfach ein nettes Gespräch mit ihnen führt. Yael und Gil sind hibbelig, offen, lachen viel und fallen sich gern ins Wort. Sie sind ein wenig wie ein altes Ehepaar, wenn sie so über sich und ihre Musik reden, etwa wenn es um den Song "Only For A Moment geht".

"I keep all my affection in a paper cup" - Lola Marsh ("Only For A Moment") - Die Zuneigung im Pappbecher aufheben: Das ist ein schöner (Songtext-)Satz. Yael erzählt im FM4-Interview, dass es total regnete, als Lola Marsh "Only For A Moment" aufnahmen. Ah, ok, aber was es nun mit dem Regen genau auf sich hat, will Gil wissen. Nichts direkt, meint Yael, aber sie spürt diesen Regen trotzdem irgendwie, jedes Mal wenn Lola Marsh das Stück nun spielen.

Dazu muss man wissen, dass es im mediterranen Tel Aviv fast nie regnet, nur ein paar Mal im Jahr. An jenem Tag kam aber plötzlich ein Sturm und Yael wollte schnell weg aus dem Aufnahmestudio, um zuhause in ihrer Wohnung die Fenster zu schließen. So entstand fast ein wenig so eine innere Unruhe, als sie den Song ins Mikro sang.

Am neuen Album von Lola Marsh dürfen wir uns wieder über große, poppige Balladen samt Orchester freuen, etwa "Like In The Movies", wo Yael Shoshana Cohen singt: "We could live forever...", aber auch über Straighteres wie "Echoes", eine der Vorabsingles vom letzten Sommer.

"In The Morning" ist groß und bombastisch, während Yael im wunderschönen, zarten "Strangers On The Subway" vom Winter und einem zugefrorenen See singt. Im Songtext heißt es dann "you drank your coffee in the morning". Das klingt banal, aber das macht nichts, kleine Alltagsmomente sind in Songs oft gut aufgehoben. Und außerdem geht es ja um mehr - zufällig in der U-Bahn aufeinandertreffen und so tun, als ob man einander nicht kennen würde. Ja, man war beinahe verfeindet, aber letztlich ist es so: "You are my lover, my friend, you are my brother til the end".

Autobiografische Zeilen von Yael Shoshana Cohen? Ja. Es geht um die letzten acht Jahre im Leben von Yael und Gil, um ihre Beziehung, die durchaus als Achterbahnfahrt bezeichnet werden darf.

Im wunderhübschen "In Your Eyes" erinnert sich Yael Shoshana Cohen an ihre Kindheit in Afrika. Die Familie von Yael Shoshana Cohen lebte in Kenia, weil ihr Vater dort gearbeitet hat: "I left the house and ran back to the house (…) the stones in my pocket they remind me of Africa", singt Yael in diesem Song, der so zart beginnt, wie viele der Lola Marsh Songs, und sich dann erhebt und immer größer wird. Von Sternen, die in den Augen glänzen, singt Yael in "In Your Eyes", denn wer einmal einen sternenbehangenen afrikanischen Himmel erlebt hat, vergisst ihn niemals wieder.

Überhaupt sind Erinnerungen wichtig bei Lola Marsh. Im Song "Four Long Seasons" etwa heißt es "you faded like the summer of 1998...". Sehr hübsch ist auch das Stück "Where Are You Tonight?" - die Gitarre, der Beat, genauso wie das epische "Hold On" mit seinem Klavier. Lola Marsh über letzteren Song: "‚Hold on‘ refers to a chaotic and confusing time for us. We struggled to keep it all together- the band, our personal lives and our changing relationships."

(FM4 / Eva Umbauer)

Aktuelles Album: "Someday Tomorrow Maybe" (2020), Universal

Donnerstag, 22. Oktober 2020

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