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Meinung

Mollies, wollt Ihr ewig leben?

Andreas Kump


Mo. 05.11.2012

Während im Posthof gerade der dritte Abend des Ahoi-Pop-Festivals seinen Lauf nahm, wurde in der Stadtwerkstatt Julius Zechner gedacht. Dem vor 20 Jahren verstorbenen Gitarristen von Opens external link in new windowWilli Warma. Peter Donke hatte dazu geladen. Motto: A Toast To Absent Friends. Es sollte einer dieser raren Abende werden, die eine ganz besondere Wirkung erzeugen. Warum es in der Stadtwerkstatt so gut war? Darüber ließe sich jetzt philosophieren. War es die Zusammensetzung des Publikums, das größtenteils aus jenem Personal bestand, das einst im Café Landgraf und der alten Stadtwerkstatt den nachfolgenden Generationen den roten Teppich der Subkultur auslegte? Gemäß der Theorie: Einmal ein guter Spirit, immer ein guter Spirit. War es der Ort, der sich mittlerweile wieder einer gewissen Patina erfreuen kann? Waren es die Bands wie das Duo Kepplinger/Frittaion, die Rucki Zucki Palmencombo, Donke/Zigon oder gar der Gastauftritt der Schauspielerin Sophie Rois, Everly Brothers intonierend? Ein wenig sicher von allem. (Das im Detail zu klären, würde aber dem damit verbundenen Charme schaden. Nacherzählen ist schließlich immer auch ein wenig dechiffrieren. Und wer will schon dechiffrieren, was ihm so wie es war unendlich viel bedeutet? Ich nicht.)

Absoluter Höhepunkt, nicht nur zeitlich, war neben dem Sophie-Rois-Kurzauftritt das Set der Opens external link in new windowMollies. Dass ich das mal schreiben würde! Immerhin begann ich in jungen Jahren erst dann auf lokale Konzerte zu gehen, als die seit 1977 (!) aktiven, als Miss Molly's Favorites gegründeten Mollies eine Phase als Coverband durchmachten. Dementsprechend schwer hatten sie es bei kleinen selbstgerechten Kerlen wie mir. Was den Mollies sicher egal gewesen wäre, hätten sie mich damals bemerkt. Immerhin hatten sie da schon eine Vita als Band, die musikalisch bereits abgehakt hatte, was wir Zuspätgeborene erst suchen mussten. Das lässt sich am besten auf den Opens external link in new windowKellertapes nachhören. Diese Aufnahmen entstanden 1982 in Berlin. Im ehemaligen Kohlenkeller des besetzten Hauses Willibald Alexis Straße, kurz WAX. Die Mollies klingen da wie eine Streetpunkband (Anspieltipp: Wie es uns gefällt), deren Mitglieder zur Abwechslung ihre Instrumente beherrschen und mit Harmoniegesang aufwarten. Damit hätten sie bei uns jederzeit punkten können, hätte es damals schon das Internet gegeben und hätten wir Zugriff darauf gehabt.

Aber zurück zum Auftritt in der Stadtwerkstatt, 30 Jahre nach dem Berliner Kohlenkeller. Der vom ersten bis zum letzten Takt bestes Entertainment war. Sänger Paul Fischnaller auf seiner eigenen Wolke. Gitarrist Ratzi sowieso. Nach wie vor spielen die Mollies ein paar Coverversionen. Nur klingt Dylans "Like A Rollin' Stone" mittlerweile von ihnen so zurechtgeschliffen, dass es quasi als Original durchgeht. Muss man sich auch einmal trauen, das seit Jahren so zu bringen. Allerdings hat Paul halt die Größe, den Song mit Leben zu füllen. Und dann gibt es noch Songs, die ihrerseits wie Coverversionen klingen, tatsächlich aber von den Mollies sind. Zum Beispiel Opens external link in new windowWir stehn hinter dir. 2008 aufgenommen und über eine kleine CD-Auflage nie hinausgekommen, hat das feine Lied spontanes Mitsingpotenzial und wäre eigentlich die perfekte Hymne für die Occupy-Bewegung. Wer sagt es jetzt denen und allen anderen? Okkupiert hat den Song nach vier Jahren jetzt die Arbeiterkammer Oberösterreich für ihren neuen Opens external link in new windowImagefilm. Dazu wurde er offenbar neu eingespielt. Paul singt jetzt im Duett mit Katharina Kain. Unbedingt anhören/ansehen!

Die Songzeile zum in Summe großartig gelungenen Abend "A Toast To Absent Friends" lieferte vorher dennoch die Rucki Zucki Palmencombo: "Ja, so, so ist das Leben/die einen kommen, die anderen gehen". Genau.

Der Autor: Andreas Kump lebt in Wien, bereist von dort ständig Linz, und hat zu allem in der Stadt eine Meinung.



Mittwoch, 17. April 2024

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