KONZERT DES MONATS
Do 25 Mär 2010 | 20:00 | FOLK-JAZZ

Solveig Slettahjell

Slow Motion Orchestra

MS (Sitzpl.): € 10/12/14

Die Skandinavien-Festspiele im Posthof nähern sich dem nächsten Höhepunkt: Die Norwegerin Solveig Slettahjell besetzt im dicht gedrängten Feld der brillanten nordischen Vokalistinnen einen der Spitzenplätze, den die 38-Jährige und ihr SLOW MOTION ORCHESTRA (SMO) mit dem gerade erschienenen sechsten Album "Tarpan Seasons" entschieden verteidigen. Der Name ihres Begleitensembles ist Programm: Slettahjell suhlt sich in wohliger Langsamkeit, in der intimen Melodik ihrer Lieder, die an skandinavische Folklore ebenso andocken wie an amerikanische Songwriter-Traditionen von Tom Waits bis Joni Mitchell. Ihr wandlungsfähiges Timbre erlaubt der ausgebildeten Jazz-Sängerin allerdings ein weit größeres Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten als in der herkömmlichen Bar-Jazz-Ästhetik. "Die Songs von 'Tarpan Season' sind mindestens ebenso sehr von Soul- und Country-Musik beeinflusst wie vom traditionellen Jazz", sagt Slettahjell. "In den Liedern versuche ich, die großen Themen des Lebens auf die erdenklich einfachste Weise anzusprechen." Im Gegensatz zu den Anfangstagen finden sich im aktuellen Live-Repertoire von Slettahjell und ihrem SMO nur mehr wenige amerikanische Jazz-Standards, stattdessen greift die Künstlerin nunmehr verstärkt selbst zur Feder. Das SMO lässt dabei Slettahjells pastelligen, emotional dichten Chansons genügend Raum zur Entfaltung und erschafft so in den besten Momenten einen schwebenden Klangkosmos, in dem Slettahjells Altstimme als vollwertiges Instrument ihren Platz einnimmt. Das Ergebnis: Pure Magie in Zeitlupe.  

"...wunderbar elegisch, langsam, versunken. Slottahjell singt sinnlich, schönheitstrunken, wie im Wachtraum." (Rolling Stone)

 "Ausnahmekönnerin und Grenzgängerin... ein vielschichtiger Songkosmos, der den Klangwelten von Element Of Crime, Tom Waits oder auch den Filmmusiken eines David Lynch nähersteht als der bisweilen etwas glatten Stilistik etwa einer Diana Krall." (Stereoplay)

"Bei ihr schmeckt Jazz nach Erde, Pop duftet nach frisch geschlagenem Holz, und das, was Solveig Slettahjell Country nennt, leuchtet wie reife Beeren in der Sonne. Kurz: Es liegt ein geheimnisvoller Zauber über 'Tarpan Season', dem stillen, tiefgründigen Album der fabelhaften norwegischen Sängerin." (Stern)

BESETZUNG: Solveig Slettahjell: vocals, grand piano, Even Helte Hermansen: guitar, vocals, Sjur Miljeteig: trumpet, electronics, vocals, Jo Berger Myhre: double bass, baritone guitar, electronics, vocals, Per Oddvar Johansen: drums, electronics, vocals
AKTUELLE CD: "Tarpan Season" (2010), Emarcy Records



Konzert des Monats |
Bei vielen zeitgenössischen MusikerInnen ist eine eindeutige Musikstil-Zuordnung für ihre Werke kaum mehr möglich - Musik ist eben heutzutage so universell wie noch nie zuvor! Kulturnews.de bringt das im Falle Solveig Slettahjell gut auf den Punkt: "Jazzpop oder Singer/Songwriter: … Slettahjells melancholische Stücke funktionieren bestens ohne Genrekorsett. Entscheidet man sich für die Sichtweise, es handele sich um ein Singer/Songwriter-Album, kommt man nicht umhin, die verschleppten Rhythmen zu erwähnen, die sterbenden Trompeten, das Sinnlich-Verharrende in Slettahjells Stimme. Und zieht man dann daraus den Schluss, dass es wohl doch eindeutig Jazz sei, fragt man sich, wie die Melodieverliebtheit der Sängerin zu deuten ist. Tatsächlich lässt sie die Instrumente nur selten abwandern und eigene Wege gehen. Minutenlange Exkurse haben keinen Platz neben den Geschichten, die sie erzählen will - mit der Intonation des Jazz, der Stringenz des Pop und der Geduld des Folk."
Schubladenfetischisten sind halt doch in Möbelhäusern besser aufgehoben als in Konzertsälen. Deshalb: Einfach diesen stimmungsvollen Songs lauschen und wegspacen. Auf die kalte Realität dieser Erde fällt mensch sowieso schnell genug wieder zurück...
Werner Ponesch




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