
Theussl-Zinner-Lenz (Theater im Bahnhof)
Die Heimaterde sei dir leicht
Es war in der Nacht vom 11. auf den 12. Oktober 2008, als der damalige Landeshauptmann von Kärnten, Jörg Haider seinen Dienstwagen in einer 70er Zone mit 142 km/h und 1,8 Promille Alkohol im Blut gegen einen Betonpfeiler lenkte und seinem Leben damit ein recht unerwartetes Ende setzte. Zu einem Zeitpunkt, als sich die Welt noch nicht in der Krise befand, als die von ihm gegründete Partei, das BZÖ (Bündnis Zukunft Österreichs) gerade einen beachtlichen Wahlsieg davongetragen hatte und seine Mutter ihren 90. Geburtstag feierte, zu dem er angeblich gerade voller Vorfreude unterwegs gewesen war. Mittlerweile ist im kollektiven (österreichischen) Bewusstsein von einer breiten Palette an Verschwörungstheorien über Mythosbildungen aller Art bis hin zu Bewegungen, die die Heiligsprechung Haiders fordern, einiges verankert.
Direkt nach Bekanntwerden seines Todes aber meldeten sich unter dem Einfluss von ehrlicher Betroffenheit und Schock Tausende Menschen aus dem In- und Ausland über die von Haiders Partei und der Landesregierung zur Verfügung gestellten Online-Kondolenzbücher zu Wort, um ihrer Trauer, ihren Gedanken und ihrer ideologischen Gesinnung per Mausklick Ausdruck zu verleihen. Das Ergebnis: ein über 2.500 Seiten starkes literarisches Werk, das einerseits das politische Klima in einem Land widerspiegelt und andererseits ein pervertiertes Beispiel für öffentlich gemachte Trauerarbeit im 21. Jahrhundert darstellt.
Der in Berlin lebende Exilösterreicher Christoph Theußl hat zusammen mit seinen Performance-Kollegen Martina Zinner und Mathias Lenz aus einem repräsentativen Querschnitt der Originaltexte einen ca. 70 minütigen Abend gestaltet, an dem allen Anwesenden die Möglichkeit zum Trauern, Denken, Sich-Erinnern und Singen gegeben wird.
Idee, Konzept, Musik: Christoph Theußl
Gestaltung, Performance: Mathias Lenz, Christoph Theußl, Martina Zinner
Zum Schwerpunkt "Black Humour Festival 2010" im Posthof:
http://www.posthof.at/programm/festivals/black-humour-2010/








