
Sigi Zimmerschied (D)
Ministrantula
Sigi Zimmerschied ist eigentlich ganz zufrieden mit sich. Manchmal sogar stolz. Nicht selten hält er sich für den Besten: Autark, unverwundbar. Wie jeder Siegfried hat jedoch auch er eine verletzbare Stelle, ein Lindenblatt. Es sind seine Bilder, seine Geschichten, für die es Bilder braucht. Wenn Komik visuell wird. Film und Fernsehideen. Und so lässt er sich, hoffnungsschwanger, meistens im Frühling, immer wieder auf Redakteure, Produzenten und andere ängstliche und phantasielose Quotenverwalter ein, lässt sich anstacheln zu Exposes, Treatments und Drehbüchern. Seit Jahren. Ganze Sommer vergehen. Voller Schreiblust.
Riesenministranten entstehen, Derrick-Mutanten, Kabarettisten als Freigänger, Scheißhausprinzipale, triebgesteuerte Mofawallfahrten und geschichtsverlustige Schankkellner.
Aber immer kommt auch wieder der Herbst. Und mit ihm die welken Argumente. Zu poetisch, zu aggressiv, zu mundsprachlich, zu speziell, zu viel Inhalt, zu wenig Lachdichte. Der Quotenträger könnte verschreckt werden. Im Winter dann legt Sigi ein weiteres unerhörtes Skript zu den alten und leckt seine neue Wunde. Aber wer die Sage kennt, der weiss, wie es Siegfrieds Meuchlern am Ende ergangen ist. Und der bekommt ein vage Ahnung davon, was Zimmerschied an diesem Abend mit seinen Peinigern anstellen wird...
"Dass er nicht medienkompatibel ist, wurmt ihn schon, denn eigentlich kann er alles, der Sigi. Er beherrscht den saugroben Wirtshausdepp wie den ordinären Scheißhausseppen mit wüstem Dialekt ebenso wie den Betroffenheits-Talker oder den preußischen Psycho-Onkel... in seinem neuesten Programm rächt er sich mit 'Kabarett-Fetzen aus unerhörten Texten' jedoch an seinen Peinigern, all jenen Öffentlich-Rechtlichen, die seit den 70er Jahren seine Vorschläge abgelehnt haben... Ein Best-of seiner Exposés, Drehbücher, Skripts und Szenarios, das besser ist als jedes dramaturgisch ausgetüftelte Programm. Eigentlich eine Lesung, doch eine, die furios gespielt ist, so dass auf der Bühne ein ganzes Panoptikum von Figuren entsteht... Auch wenn Alt-Nazis und Neu-Politiker durchaus mit messerscharfer Wortgewalt ihr Fett abkriegen - Siegfrieds Rachefeldzug richtet sich gegen die Medienmafia, die 'Wächter des Mittelmaßes', die wie ein perfektes Frühstücksei daherkommen: 'Glänzende Hülle, wachsweicher Inhalt'. Ihnen, den Verhinderern mit ihrer 'Zielgruppe zwischen Infantilismus und Demenz', für die sein 'Grinsfaktor' einfach nicht reicht und denen seine Brachialität Angst macht, gelten Zimmerschieds fein gedrechselte Bosheiten... Bei denen kennt sein Witz keinen Spaß mehr. Wir aber haben beim Zuhören einen Mordsspaß an den wort-gewaltigen Resultaten seines vermeintlichen Scheiterns." (Paussauer Neue Presse)
http://www.sigi-zimmerschied.de/
Zum Schwerpunkt "Black Humour Festival 2010" im Posthof:
http://www.posthof.at/programm/festivals/black-humour-2010/








