Di 05 Mai 2009 | 20:00 | ETHNO

Music Ensemble of Benares

Musik und Tanz aus Indien

KS (Sitzpl.): € 10/12/14

Als Ravi Shankar beim Woodstock-Festival die Saiten seiner Sitar streichelte, kam die überwiegende Mehrheit der westlichen Ohren erstmals in Kontakt mit indischen Musiktraditionen. Bereitwillig ließen sich eingeschworene Rock-, Pop- oder Jazzfans von diesen Klängen in andere Sphären entführen und die Faszination an ethnischer Musik dauert bis heute, wie wir wissen, unvermindert an. Auch der deutsche Musiker Günther Paust hat sich seit diesem "Urknall” 1969 ganz der indischen Musik verschrieben und nach mehreren ausgedehnten Reisen und vergeblichen Versuchen, selbst das vielschichtige Sitarspiel zu erlernen, das MUSIC ENSEMBLE OF BENARES ins Leben gerufen. Die wechselnden Musiker und Tänzer dieser Formation stammen allesamt aus der gleichnamigen Stadt am heiligen Fluss Ganges. Benares, die heutige Millionenstadt Varanasi, hat als religiöses Zentrum für die Hindus einen ähnlichen Stellenwert wie etwa Mekka für die Moslems. Dort entwickelte sich aus höfischen Traditionen und in den Tempeln gepflogenen Riten die reiche, stets dem Göttlichen geweihte indische Klassik.

Seit 1982 bringt Moderator Günther Paust nun dem europäischen Publikum Musik und Tanz aus Indien nahe und erntet damit stets begeisterte Reaktionen. Der musikalische Schwerpunkt dieses Abends lässt nordindische Ragaimprovisationen auf dem hochkomplexen Streichinstrument Sarangi erklingen. Gesang und Musik leiten im zweiten Teil des Abends über zu einer Vorführung des auf jahrtausendealte Wurzeln zurückreichenden Kathak-Tanzes, eines zwischen Erzählung und Bewegung changierenden Tanzstiles, der schon im "Mahabharata" Erwähnung fand. Anmut und Körperbeherrschung, komplizierte Figuren und ein mitreißender Rhythmus sind seine Merkmale. Im Verein mit der musikalischen Darbietung von Meistern ihres Instrumentenfachs gewährt uns das MUSIC ENSEMBLE OF BENARES einen unverfälschten Blick auf das klassische Indien und seine Riten und Traditionen hinter den aktuell im Kino zu Millionären mutierenden "Slumdogs".

BESETZUNG: Jyotika Dayal: Kathak-Tanz, Gesang, Allarakha Khan: Sarangi, Gesang, Charudatta Shrinavas Phadke: Tabla, Günther Paust: Moderation

Zur Geschichte des Kathak-Tanzes

Der Name "Kathak" entstand aus dem alten Wort "katha", was mit "Erzählung" übersetzt werden kann. Wörtlich bedeutet "Kathak" also "Erzähler". Diese Erzähler, Angehörige einer bestimmten Kaste, saßen schon vor Jahrtausenden in den Tempeln und erzählten den Besuchern Geschichten aus der Vergangenheit. Damit verdienten sich die "Kathaks" ihren Lebensunterhalt. Die Geschichten trugen sie in Form von Liedern vor. Dazu kamen entsprechende Gesichtsausdrücke (abhinaya) und auch bestimmte Handbewegungen (mudras), um den Zuhörern auch als Zuschauer Inhalt und Ablauf der Begebenheit verständlich zu machen. Die Geschichten wurden so in einer lebendigen und unterhaltsamen Form weitergegeben. Die "Kathaks" waren aber nicht nur Erzähler, sondern auch Komponisten und Tänzer zur gleichen Zeit. Kathak ist in Indien eine alte Kunstform, weit verbreitet, bevor es überhaupt eine Geschichtsschreibung gab. Unter der Herrschaft der Mohammedaner kamen die Kathak-Tänzer Lucknows in engen Kontakt mit den Königen, den Moghuln, so dass sich ihr Kathak-Stil dem Geschmack und dem Temperament dieser sinnesfreudigen Herrscher mehr und mehr anpasste. Was zuvor ein einfacher religiöser Tanz war, wurde mit einer sehr verfeinerten Tanztechnik zu einer vielfältigen Darstellungsform. Sinnesfreude bestimmte zunehmend den Tanzstil, und der Kathak wurde ein Ausdruck reiner Unterhaltung.

Kathak-Tänzer aus Rajasthan, wo sich fortwährend Hindu-Herrscher behaupten konnten, bewahrten den ursprünglichen Stil des Kathak. Vor etwa 400 Jahren zog dann der Sanskrit-Gelehrte Sri Janaki Prasad von Bikaner nach Benares und brachte somit das Wissen um die ursprüngliche Kunst des Kathak dorthin. Bis in die heutige Zeit haben seine Schüler diese Tanzkunst bewahrt, gepflegt und gelehrt. Anmut und Körperbeherrschung, komplizierte Bewegungen und ein mitreißender Rhythmus sind seine Merkmale.