
Peter Cornelius
"solo"
Wenn man wie Peter Cornelius seit über 35 Jahren Lieder singend und schreibend unterwegs ist - und das noch dazu vorwiegend in einem gefährlich abschüssigen Gelände wie dem Austro-Pop - dann liegen Höhen und Tiefen selbstredend dicht beieinander. Doch der gelernte Bankkaufmann hatte wie sonst nur wenige Kollegen fast immer ein gutes Händchen dafür, sein künstlerisches Kapital nicht vor die Hunde, die in diesem Geschäft lauern, gehen zu lassen. In der Rückschau erweist sich das Werk von Cornelius nämlich als erstaunlich konsistent und ohne allzu forsche Anbiederungen in Richtung Kommerz. Natürlich sind viele seiner Hits wie "I leb in einer Wolk'n", "Du entschuldige i kenn di" oder "Reif für die Insel" durchgenudelt bis zum Gehtnimma und eine Aussage wie "Der Kaffee ist fertig" ist in ihrer Brisanz nach wie vor Nerven zerfetzend, doch man tut dem Mann schon ein wenig unrecht, wenn man den Morast der Regional-Sender als das Umfeld bezeichnet, das er verdient.
Was viele nämlich nicht wissen: Peter Cornelius ist nicht nur der in Deutschland erfolgreichste Singer/Songwriter Österreichs, sondern auch ein hervorragender Gitarrist. Als solcher wurde er gar mit einer Grammy-Nominierung bedacht (für die Mitwirkung beim "Enigma"-Projekt seines Langzeit-Weggefährten Michael Cretu). Und in der zwar hochgradig indiskutablen Ultimativen-Chart-Show von RTL wurde Cornelius bei den "besten Singer/Songwritern aller Zeiten" immerhin auf Platz 29 gereiht, und zwar - shocking! - einen Platz vor seinem großen Idol Bob Dylan. Das lässt selbst einen unaufgeregten Menschen wie Cornelius kurzzeitig die Fassung verlieren, verrät aber doch viel von der "Handschrift" seiner aktuellen Solo-Konzerte: "Wenn ich die Gitarre in die Hand nehme, wenn ich singe, ist immer ein 'back to the roots' vorhanden. Mein Leben, mein Film wurde im brillantesten Zeitalter von den größten Genies der Popmusik belichtet. Das prägt mein Leben, meine Texte, meine Melodien, die Harmonien und den Sound."
Wenn Peter Cornelius also seine als "Kulthits" gebrandmarkten Songs wie auch Raritäten und Neuheiten solo mit Gitarre anstimmt, dann ist das für uns geschundene Funk- und Fernsehsklaven eine gute Chance, die eigenen Schubladen zu lüften. Dieser Mann gehört dringend aus der "Austro-Pop"-Zwangsjacke befreit!








