HEIMSPIEL 2012
Fr 10 Feb 2012 | 13:00 | THEATER

Karin Verdorfer in: "Trixi Baby - Eine Curettage"

von Martin Klaus Menzinger

KS (Sitz-+Stehpl.): € 11/13/15

"Ich hab ja nen vollen Stand auf meinen Paps und da leg ich für meinen Paps meine Würschterln ins Feuer, dass uns der Paps nie daschossen hätt. Großes Indianerehrenwort. Mein Paps ist mein Schatz und Trixi Baby Paps Schmusekätzchen mit der Schokokatzenzunge. Singnorita Chiquita... Alles Banane? Alles Banane. Dankeschön. Paps Gummiwurtscht..."

Trixi Baby ist ein starkes Mädchen, aber Trixi Baby ist auch ein sexuell misshandeltes Mädchen. Sie erzählt nicht die Geschichte von Opfer und Täter, sondern beschreibt eine Sozialisation, eine Kindheit die im Zeichen des Missbrauchs ihre Manifestation im Alltag erlebt. Somit wird der Gewaltreigen als selbstverständlich wahrgenommen und eine Überlebensstrategie etabliert, die den Körper sowie phantastische Sprach- und Bilderwelten um absolute Zerstörung, Brutalität und Schweigen inklusive Leichtigkeit, Fülle und Poesie kreisen lässt. Die Vaterliebe, die Glorifizierung der ersten großen Liebe und der Kinderstrich zeichnen die biographischen Stationen eines Mädchens nach, das eine Kindheit zwischen Schwärmerei, Teenager-Sprachfloskeln und Gewalt lebt.

Mit "Trixi Baby - Eine Curettage" legt der Linzer Martin K. Menzinger einen verstörenden Textkörper für das Theater vor und geht im Vollzug seiner Sprachchirurgie dem Satz, dem Wort bis aufs Blut auf den Grund. Die gemeinsame Umsetzung des Monologs von Verdorfer, Schwamberger und Binder-Reisinger folgt Menzingers Kunstsprache, indem der Textkörper "ausgeschabt" wird. Die Inszenierung nimmt Elemente einer theatralen Installation an und lässt den Ort des Geschehens zum Wahrnehmungsraum werden, worin das Innen und das Außen einer geschundenen Persönlichkeit an Trennschärfe verlieren und den Hauch einer Ahnung hinterlassen.

Anschließend an die Aufführung findet ein Publikumsgespräch mit Christine Winkler-Kirchberger (Kinder- und Jugendanwaltschaft OÖ), Barbara Künschner / Guido Bonifer (Kinderschutzzentrum Linz), Martin Menzinger (Autor) und dem Ensemble statt.

Text: Martin K. Menzinger
Regie: Birgit Schwamberger
Schauspiel: Karin Verdorfer
Video- und Sound Design: Thomas Binder-Reisinger

Eine Produktion von Theaterkollektiv Iriden & Posthof
Empfohlen ab 16 Jahren

Mit freundlicher Unterstützung von Kulturland Oberösterreich




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