
Henry Rollins
The Long March
Seit 30 Jahren beglückt - oder besser gesagt erschüttert - Mr. Rollins mit seinen verbalen Anschlägen. Zuerst bei den kalifornischen Hardcore-/Punk-Veteranen Black Flag, denen er ab dem epochalen 81er Album "Damaged" als gnadenloser Fronter vorstand. Später als Rampensau von eigenen Gnaden ("Hot Animal Machine") oder mit seiner Rollins Band, mit der er Meilensteine wie "The End Of Silence" oder "Weight" schulterte und weltweit Arenen beschallte.
Doch Rollins' Aktivitätsradius ist zu komplex, als dass es sich auf ein künstlerisches Fach eingrenzen ließe. Man konnte ihn schon oft als Nebenschauspieler in Hollywood-Filmen sichten (etwa in "The Chase", "Johnny Mnemonic", "Heat", "Bad Boy 2" oder "Lost Highway"), er ist als Radio-DJ aktiv und tritt als TV-Host der National Geographic-Serie "Animal Underworld With Henry Rollins" in Erscheinung.
Ein weiteres bemerkenswertes Karrierestandbein führt den schwer tätowierten Straight-Edge-Muskelmann nun nach Linz: Seine Rolle als provokanter, hart attackierender Spoken-Word-Artist, die er mit einem Mix aus Humor und Rebellion, Popkultur, politischem Kommentar und persönlichen Anekdoten bis zum Bersten ausfüllt. Rollins selbst beschreibt seine "Lesungen" als "jazz without a band" oder schlicht als "talking shows". In jedem Fall gebiert sich der Gründer des Labels bzw. Verlags 2.13.61 und Autor von mehr als 20 Büchern (zuletzt "Occupants", eine Sammlung von Fotos und Essays von seinen Reisen nach Afghanistan, Nordkorea und in den Iran) weniger als Langeweiler-Literat mit Lesebrille denn als angriffslustiger Performer, der dem Publikum in Punkrock-Manier entgegentritt. Word.
[Zum Musik-Abo Frühjahr 2012]








