
Firefox AK / Giantree / Allen Alexis
Die melancholisch durchwehten, elektronisch angeschrägten und sich hinterrücks in die Ohrmuschel schleichenden Songs von Firefox AK könnten gut und gerne auf einer Fahrt mit dem Trans Europa Express entstanden sein: Die Reise beginnt in Stockholm. Von dort stammt Andrea Kellerman, die seit mittlerweile drei Alben an der Fortsetzung des schwedischen Popwunders schreibt und sich mit der aktuellen CD "Color The Trees" und vor allem dem Smasher "Boom Boom Boom" ihrem Ziel ein ganzes Stück nähert. Zugute kommt ihr dabei sicherlich die stimmliche Nähe zu Nina Persson, der fabulösen Sängerin der Cardigans, und auch mit Robyn als Wegweiserin dürfte man nicht ganz falsch liegen.
Wir machen einen Zwischenstopp in London. Dort arbeitet Kellerman vier Jahre als Grafik-Designerin und entdeckt auf einem Hydranten ihr künftiges Pseudonym. Liebt sie doch sowohl Feuer als auch Füchse. (Um nicht mit dem bekannten Browser verwechselt zu werden, hängt sie sicherheitshalber ihre Initialen an.)
Zurück in Schweden veröffentlicht die Ehefrau von Rasmus Kellerman (Tiger Lou) das Singer/Songwriter-Album "Madame, Madame", auf dem sie selbst Gitarre und Bass spielt. Mit dem Nachfolger "If I Were A Melody" geht es dann erstmals auf Europa-Tour, u.a. auch nach Österreich. Für die Aufnahmen zu "Color The Trees" zieht sie später weiter nach Berlin, wo unsere Protagonistin tief in die Clubszene eintaucht, wie man dem Endprodukt deutlich anhört. Die Tracks werden schließlich in Stockholm von der hiesigen Pop-Prominenz - Andreas Mattsson (Ex-Popsicle), Lasse Mårtén (Johnossi, Produzent u.a. von Lykke Li) und Björn Yttling (Peter, Bjorn & John) feingetunt.
Herausgekommen ist trotz der electroiden Grundierung ein organisches, persönliches Album, das die Neonlichter der Nightclubs ebenso einfängt wie die Weite der schwedischen Landschaft. Nach einer ausgedehnten Tour mit den britischen Shooting Stars HURTS begibt sich Firefox AK nun auf Club-Reise durch Europa, um ihre wunderbar sehnsuchtsvollen Pop-Melodien unters Volk zu bringen.
Giantree | "Eine der aktuell besten Bands aus heimischen Gefilden von denen man sich wohl noch so einiges erwarten darf." Das sagt der FM4 Soundpark über seine Band des Monats August 2011. Und der FM4 Soundpark liegt bei seinen Zukunftsprognosen selten falsch. Der beachtliche Platz 28 für die Single "Time Loops" bei den FM4-Jahrescharts bestätigt das. GIANTREE waren dem Erfolg schon einmal ganz nah, vor einigen Jahren als der Stamm des heutigen Quintetts noch als Sirupop firmierte und sogar an den Charts kratzte. Der Weg zum Pop-Olymp erwies sich jedoch als steinig, und so wagen die Wiener nun nach kurzer Resignationsphase personell umstrukturiert den Neustart. Das Debütalbum ist bereits in der Mache. Wohin die musikalische Reise neuerdings geht, bringt das Magazin the gap auf den Punkt: "Brit-Popper der melancholischen Sorte drängen sich da als Referenzen auf, wobei Giantree mit ihren anschwellenden Keyboard-Melodien und verzerrten Gitarren düsterer und zielstrebiger die Kluft zwischen der dunklen Seite des Pop und deutlich hörbarem Rockgebaren überbrücken." Und eine wohlgemeinte Warnung auf mica.at darf als Omen für die Live-Show von Giantree verstanden wissen: "Es besteht eine gute Chance, dass selbst emotionsrobuste Hörer von Gänsehaut-Schauern übermannt werden." Da kündigt sich was Großes an.
Allen Alexis | Symphonische Popharmonien, knackige Minimalbeats, Soulanleihen in Gesang und Houseanleihen im Arrangement: Vor hämmernden Rave-Akkorden schreckt Allen Alexis genauso wenig zurück wie vor verspielten Electro-Frickeleien. Nicht zu vergessen auf ZZ Top. Oder anders (twitter-tauglich) gesagt: Lily Allen trifft Roger Sanchez und geht mit ihm auf ein Phoenix-Konzert. Und dann weht da ganz unüberhörbar die Flagge des P-O-P. Der eigenständige Umgang mit verschiedenen Stilrichtungen bei gleichzeitiger geschmackvoller Verwendung von 1980er-Sound-Ästhetik, das macht Allen Alexis aus. Und die namensgebende Kunstfigur dient übrigens auch als Grundlage für das Artwork der Band. Allen Alexis, das sind der Musiker Günther Bernhart (Temple X, Beta Bow, Kollaborationen mit Frank Tovey/Fad Gadget, The Bloody Beetroots, Felix Cartal/Dim Mak), der DJ und Produzent Philipp Preuss (Dope Sagittarius) und der Produzent Gerald Peklar (Freaksound). Deren Debütalbum "Different Believers", sorgfältig produziert und gut komponiert, vertraut bei aller Vielfalt auf einen einheitlichen Sound und bietet eine Reihe an möglichen und bereits veröffentlichten Singles (Here Tonight, Secrets Of Love, Dance Into The Morning, Different Believers). Die ersten Releases rotierten auf FM4, schafften es in die Charts und auf eine der Sound-Selection-Compilations. Und es spricht auch einiges dafür, international weiter zu rotieren: Sowohl die ausgereifte Produktion als auch das gekonnte Songwriting sind bestens für den Auslandseinsatz geeignet - ganz zu schweigen von Bernharts Gesang, mit dem er sich wieder einmal als eine der profiliertesten Stimmen dieses Landes positioniert.










