Di 19 Okt 2010 | 20:00 | THEATER

Edi Jäger: "Die Blusen des Böhmen"

Komik-Meisterwerke von Robert Gernhardt

MS (num. Sitzpl.): € 13/15/17

Premiere: Mi. 22. September 2010, Posthof - Zeitkultur am Hafen
Weiteres: Do. 23., Fr. 24. September sowie Di. 19., Mi. 20. Oktober

Posthof-Eigenproduktion

Vor mittlerweile vier Jahren erlag der deutsche Maler und Schriftsteller ROBERT GERNHARDT erst 68-jährig einem Krebsleiden. Mit ihm verlor die Welt der Kunst - stellvertretend für alle anderen Welten dieser Welt - einen ganz Großen seiner Zünfte, dessen künstlerische vitae scheinbar aus lauter Widersprüchen bestand. Aber er hinterließ der Welt auch ein literarisches und bildnerisches Oeuvre, das diese Widersprüchlichkeiten nicht bloß widerlegt, sondern zu einer unzertrennbaren Einheit verschmilzt. Er war stets ein scharfer, unbarmherziger Kritiker seiner Zeit und seiner Mitmenschen, doch anstatt als "Nestbeschmutzer" diffamiert zu werden, wurde er wie kein zweiter von den Menschen quer durch alle gesellschaftlichen Schichten geliebt, wie auch er sein Publikum liebte wie kein zweiter.

Er war ein volkstümlicher Künstler, verständlich für alle, die guten Willens sind. Und nicht zuletzt auch, weil er sich formaler Mittel bediente, die man durchaus als traditionell oder konservativ bezeichnen kann. Wie aber lässt sich dies mit dem generellen künstlerischen Streben der Moderne nach Novität, ungeschminkter, schonungsloser Offenheit, nach Kritik und Hinterfragung des Bestehenden vereinbaren? Nun, wenn man wie er erkannt hat, dass radikale Offenheit, Widerspruch und Provokation zur allgegenwärtigen ästhetischen Konvention geworden sind, sich die Moderne also schon längst in den Gemeinsinn, ins Klischee und in die Routine verabschiedet hat, dann muss die Rückkehr zur strengen Form, wie Versfuß und Reim in der Lyrik, oder die Gegenständlichkeit in der Malerei, eigentlich Kritik sein, die sich souverän und heiter über die Pedanterie und Unfreiheit der Moderne erhebt. Die große Anstrengung Robert Gernhardts war es auch, dem Humor, zumal dem deutschen, einen eigenen, herausgehobenen Platz in den hohen Künsten zu schaffen. Er liebte die Pointe, weil er sie nicht als Schlusspunkt seiner Gedanken, sondern von geistigen Allgemeinplätzen setzte, und somit erst neuen Raum für neue Gedanken schuf.

So gäbe es noch einige scheinbare Ungereimtheiten zum Künstler Robert Gernhardt, die sich bei eingehender Betrachtung wunderbar zusammenreimen würden, aber dazu fehlt es hier an Platz. Nur noch soviel: Wenn es jemanden gibt, der das Klischee vom minderbemittelten deutschen Humor Lügen straft, dann dieser große Lyriker, Zeichner und Satiriker. Seine Texte schweben in traumwandlerischer Sicherheit zwischen Kalauer und Poesie, zwischen ätzender Schärfe und luftiger Verspieltheit.

EDI JÄGER, der grandiose Schauspieler, virtuoser Charakterdarsteller und Komiker, ist dem Linzer Publikum aus vielen Produktionen wie zuletzt "Gut gegen Nordwind" bestens bekannt. Darum möge er es uns verzeihen, das wir ihm an dieser Stelle nur wenige Zeilen widmen, bzw. möge er sich geschmeichelt fühlen, dass wir es nicht für nötig erachten, ihn näher vorstellen zu müssen, von wegen Eulen nach Athen und so. Jedenfalls beweist er in seiner Hommage an Robert Gernhardt seine außergewöhnlichen komödiantischen Fähigkeiten absolut auf Augenhöhe mit ebendiesem. ca

Live-Musik:
Stefan Schubert: guit., voc.
Alex Meik: bass, voc.
Peter Traunmueller: drums




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