Sa 21 Apr 2012 | 20:00 | THEATER

Deutsches Theater Berlin

"Tagebuch eines Wahnsinnigen" von Nikolai Gogol

GS (num. Sitzpl.): € 20/22/24

Poprischtschin ist ein kleiner Beamter im Staatsdienst. Jeden Tag müht er sich in seinem grauen Alltag ab, ist unglücklich in seinem Beruf und auch noch hoffnungslos in die Tochter seines höchsten Chefs verliebt. Er träumt vom sozialen Aufstieg und zieht sich mehr und mehr aus der ihn demütigenden Realität zurück, um sich schließlich komplett in eine Scheinwelt zu flüchten. Nikolai Gogol beschreibt in "Tagebuch eines Wahnsinnigen" die Situation eines Mannes, der keine Chance mehr hat auf Karriere und Aufstieg in der Gesellschaft, sich aber weigert, dies zu akzeptieren. Stattdessen versucht er, seinen Minderwertigkeitskomplex durch ein bis zum Größenwahn gesteigertes Omnipotenzgefühl zu bewältigen. Samuel Finzi spielt den Wahnsinnigen, der mit 42 Jahren eine neue Karriere startet.

"Der Publikumsliebling am Deutschen Theater und komödiantisches Naturtalent, verkörpert jetzt diesen tragisch grotesken Helden. Und er begnügt sich keineswegs damit, Nikolai Gogols 1835 erschienene Geschichte zu erzählen - er spielt sie bis zum verrückt bitteren Ende... Finzi macht, mit Stimme, Gestik, Mimik, mit ganzem Körper, aus der kurzen Novelle ein intensives, so komisches wie makabres theatralisches Naturereignis. Ein großes Vergnügen." (Berliner Morgenpost)

"Finzi spielt sich nicht nur durch die Fauna (Hund, Affe, Hahn), sondern er liefert exzentrischste Studien für sämtliche Schichten des Bewusstseinsverlustes - vom Beton-Starrsinn, über Verletztheit und Furcht angesichts der übelwollenden, unübersichtlichen und dennoch unverrückbar hierarchischen Welt, bis hinauf zu den Triumphen des Größenwahns. Finzi verdient seinem Poprischtschin den eingebildeten spanischen Thron mindestens fünfmal." (Berliner Zeitung)

"Viel scheint sich an der Beamtenmentalität nicht geändert zu haben, suggeriert Hanna Rudolphs zeitlose Inszenierung mit dem Ausnahmeschauspieler... Finzi lässt hier seine Unterschenkel zu sprechenden Haustieren mutieren, schleudert die Vokabel 'Departement' mit der Schärfe einer Schnellfeuerwaffe ins Publikum, spielt sich formvollendet durch sämtliche omnipotenzfantastischen Underdog-Posen und beweist einmal mehr, dass die Lächerlichkeit des Menschen jener Art Komik entspringt, die sich bestens in den tragischen Abgründen auskennt." (Der Tagesspiegel)

Regie: Hanna Rudolph
Spiel: Samuel Finzi
Bühne: Mareile Krettek
Kostüme: Geraldine Arnold
Musik: Jacob Suske
Deutsch von Kai Borowsky

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