
"At Borobudur I met a strange traveller, an 'oneirologist'. He records humankind’s dreams all over the world with the meticulousness of a botanist." (Philippe Genty)
1962 brach der französische Marionettenspieler und Bühnenillusionist Philippe Genty in einer Ente zu einer Weltreise auf, die ihn durch vier Kontinente, siebenundvierzig Länder und neun Wüsten führte. 33 Jahre später, 1995, begann er eine ganz andere Reise. Eine Reise in sein Inneres. In seine Träume und seine Gefühlswelten.
Was zunächst als eine künstlerische Begegnung mit sich selbst geplant war, wuchs schnell zu einer imaginären Odyssee für ein achtköpfiges Ensemble an. "Voyageurs Immobiles" (Bewegungslose Reisende) nannte Philippe Genty seine Kreation, die sich als ein faszinierendes Zusammenspiel von Pantomime, Figurentheater, Tanz und Musik entpuppte. Bereits nach der Uraufführung feierte diese einzigartige Reise in das Innere der menschlichen Seele weltweit Triumphe.
15 Jahre später, 2010, hat sich Philippe Genty gemeinsam mit Co-Regisseurin und Ehefrau Mary Underwood noch einmal mit diesem Theatercoup beschäftigt und ihn überarbeitet. Auch in der kompletten Neubesetzung des Ensembles ist es wieder eine Gruppe von acht Schauspielern, Tänzern und Akrobaten, die die Welt erkundet. Jenseits von Zeit, Raum und allen physischen Grenzen überwinden und durchstreifen Gentys skurrile Figuren Ozeane, Packeis und Wüsten. Und mit ihnen reisen auch die Zuschauer, denn "mit Genty auf Reisen zu gehen heißt, sich selbst zu erleben" (Theater Heute).
Surreal, poetisch und humorvoll zugleich legt Genty dafür einen Bilderbogen aus, der nichts weniger als den Lauf des Lebens einfängt. Wo eben noch ein Papierschiffchen am Horizont des blauen Meeres entschwand, breitet sich eine wüste Einöde aus, in der urplötzlich üppige Grünpflanzen aus dem Boden sprießen, die unentwegt Babypuppen gebären. Später schweben diese Babys als Wiedergeburten vom Himmel, um dann als Heranwachsende durch merkwürdige Apparaturen zu laufen. Wie in einem merkwürdigen schönen Traum entstehen solche bizarren Geisterwesen und Landschaften. Der Kontinent des Unbewussten wird von Naturgewalten durcheinandergewirbelt und verwandelt sich in ein buntes Paradies des Absurden.
Am Ende ist schließlich nichts, wie es scheint, und es ist Philippe Genty, der den Zuschauer einmal mehr staunend entlässt. "Das ist wunderschön, von solcher Perfektion, dass einem der Atem stockt. Diesen Traum-Parcours verlässt man berauscht vom Unmöglichen, mit taumelndem Herzen", schrieb das französische Magazin "Télérama" über die Neufassung von "Voyageurs Immobiles". Wer danach wieder in die Realität zurückkehrt, der wird sie mit ganz anderen Augen sehen.
Voyageurs Immobiles
directors: Philippe Genty and Mary Underwood
music: Henry Torgue and Serge Houppin
coproduction: Maison de la Culture de Nevers (MCNN), Théâtre André Malraux in Rueil Malmaison, Espace Jacques Prévert in Aulnay-sous-Bois, Théâtre du Rond Point, Altstadtherbst Kulturfestival Düsseldorf, Nevers Town Council, Burgundy Regional Council, French Ministry of Culture / DRAC Burgundy (Regional Department of Cultural Affairs)