
Christina Stürmer & Band
Nah dran Tour 2010
Dass Rainhard Fendrich sein Alterswerk "Meine Zeit" ausgerechnet in derselben Woche veröffentlichen muss, wie Christina Stürmer ihre "Nahaufnahme", ist schon bitter. Beim Generationenduell um Platz 1 der Charts zog sie nämlich den Kürzeren und musste dem geläuterten Austropop-Veteranen den Vortritt lassen. Zumindest in Österreich. Denn beim großen Nachbarn ist es umgekehrt. Dort ist "der Raini" Charts-Hinterbänkler, während "die Christl" es in die Top Ten schaffte. Ausgleichende Gerechtigkeit. Und symptomatisch für die österreichische Befindlichkeit, wie vor einiger Zeit schon Der Standard notierte: "Während die gelernte Buchhändlerin als Zweite der ersten ORF-Castingshow Starmania hier zu Lande vor allem als Verkaufsmaskottchen für Nudelgerichte und Klingeltöne wahrgenommen wurde, gelang es ihr im Nachbarland, ohne den schalen Beigeschmack der Retortenkünstlerin Fuß zu fassen."
Auf die Zeit bei der Talentesuchmaschine ist der seit Falco erfolgreichste Musikexport Österreichs ohnehin nicht mehr gut zu sprechen. Längst ist sie - gold- und platinbehängt, ausgezeichnet mit Amadeus und Echo Award - dem Casting-Getriebe entkommen und führt ein respektables Eigenleben als Sängerin mit nicht zu geringem künstlerischem Anspruch und andauerndem Erfolg. Der 6. Longplayer "Nahaufnahme" zeugt von dieser Entwicklung, auch wenn Christina Stürmer ihre Erfolgsformel im Wesentlichen beibehält. Von der Debüt-Single "Ich lebe" bis zum aktuellen Hit "Wir leben den Moment" ist es nicht nur textlich nicht weit, formatradiotaugliche Hymnen mit JULI-HELDEN-SILBERMOND-Appeal bleiben das, was Stürmer, ihre kompakt poprockende Band und ihr Produzent Olaf Opal (SPORTFREUNDE STILLER und - erraten - JULI) am Besten beherrschen. Bei aller Nachdenklichkeit in manchen neuen Songs überwiegt doch Christina Stürmers Lebensfreude, und von der lässt man sich doch immer wieder - und vor allem live - gerne anstecken.








