
TANZTAGE 2010
Liebes Publikum,

wundern Sie sich nicht, wenn zur Eröffnung der TanzTage plötzlich ein verrückter Mann auf der Bühne steht und Luftgitarre spielt. Oder wenn aus dem Dunkel ein Rudel Wölfe auftaucht. Sie sind nicht im "falschen Film". Denn der kanadische Choreograph Eric Gauthier, liebt es, zu irritieren, zu spielen und Verwirrung zu stiften. Sein Blick auf den Tanz ist gleichzeitig euphorisch und ironisch, er verordnet dieser Kunstgattung eine außergewöhnliche Frischzellenkur. Oder wie es das Online-Magazin "Tanznetz" beurteilte: "Gauthiers Ballettsatiren sind eine herrliche Bereicherung für dieses oft viel zu ernste Genre." Gleich sieben wunderbare Kurzstücke bringt Gauthier beim ersten Auftritt seiner Company in Österreich auf die Posthof-Bretter. Neben eigenen Choreographien präsentiert er auch Arbeiten von Mauro Bigonzetti, Paul Lightfoot und Sol Léon. Einer der Höhepunkte des Abends ist das aberwitzige Stück "sofa", kreiert vom im Posthof schon mehrmals umjubelten Itzik Galili.
Der Schalk sitzt auch "Les Slovaks" im Nacken - die jungen Tänzer der Company arbeiten "hauptberuflich" bei Größen wie Wim Vandekeybus, Akram Khan oder Anne Teresa de Keersmaeker. Schon im Alter von fünf Jahren standen die (heute in Belgien lebenden) Künstler gemeinsam auf der Bühne - bei einem slowakischen Volkstanzfestival. Für ihr erstes gemeinsames Stück ließen sie sich nun erneut von ihrem Herkunftsland inspirieren. Herausgekommen ist dabei allerdings alles andere als ein wehmütiger Heimatabend...
Steil nach oben zeigt die Karriere der holländischen Tänzerin und Choreographin Nanine Linning. Nach ihrer fulminanten Hommage an Francis Bacon, die auch im Posthof zu sehen war, wurde sie zur Ballettdirektorin des Staatstheaters Osnabrück ernannt. In ihrem neuen Stück "Endless Song of Silence ", das gerade erst Premiere hatte, zeigt sie die zahlreichen Facetten ihres Könnens. Berührend intensiv und in atemberaubenden Bildern zeichnen Linning und ihr ebenbürtiger Partner Danilo Colonna zur Musik des polnischen Komponisten Henryk Mikolaj Gorecki die Stationen einer Liebe nach.
Apropos Karriere: Die TanzTage 2010 stehen ganz im Zeichen der jungen heimischen Szene. Nicht weniger als sechs Uraufführungen an vier Tagen wird das TanzTageLabor 2010 präsentieren. Alle ChoreographInnen, die im Vorjahr in einem vom Posthof gemeinsam mit Linz09 initiierten Projekt von einer unabhängigen Jury prämiert wurden, zeigen ihre neuen Arbeiten - drei davon abendfüllend. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn nicht das eine oder andere Stück, das im TanzTageLabor uraufgeführt wird, in Zukunft auch auf internationalem Parkett bestehen könnte.
Wilfried Steiner















