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Meinung

Nebenwohnsitz 4030

Andreas Kump


Fr. 02.09.2011

 

Es war exakt vier Uhr früh. In der Nacht von Samstag auf Sonntag. Die Vierjahresfeier des Solaris steuerte ihrem Höhepunkt entgegen. Musikalisch auf den Punkt gebracht von DJ Technick. Ein housiger Track, der mit jeder Sekunde an Intensität zulegte, schraubte die Stimmung im proppevollen Lokal am OK-Platz noch einmal Richtung Decke. Grinsende Gesichter überall. Vor wie auch hinter der Bar. "Uplifting", wie es so unübersetzbar schön im Englischen im Zusammenhang mit House heißt. Aber wer braucht schon präzise Übersetzungen, wenn einem die Beats in Birne und Beine fahren?

Bleiben wir trotzdem kurz beim Wortklauben. Denn obwohl eher Bar mit wochenendlicher Club-Tendenz, ist das Solaris im doppelten Sinne Lokal - und als solches von Bedeutung für das ausgehfreudige Linz. Schließlich wechseln sich im Solaris Freitag wie Samstag lokale DJs an den Plattenspielern ab. Das Spektrum reicht von Northern Soul bis zu sämtlichen Spielarten elektronischer Musik.

Solaris-Cheffe Floh, nicht nur bei der Vierjahresfeier hochtourig unterwegs, beweist mit seinem Programm, was möglich ist, wenn ein Gastronom nicht nur gerne Cocktails shakt, sondern auch ganz genau weiß, was musikalisch so läuft.

Okay, das Solaris hat einen Standortvorteil. Am heimlichen Hauptplatz von Linz. Und als Hausbar von Moviemento und OK, einen Stock über dem Gelben Krokodil, lässt sich beruhigter wirtschaften als anderswo. Trotzdem ist der Mix aus designter Einrichtung, guter Gastronomie und progressiver Musik speziell in Linz keine Selbstverständlichkeit. Gegenbeispiele in Bestlagen gibt es genug.

Zett Be das Cubus im Ars Electronica Center. Wenn im Lokal des (ehemaligen) "Museum Of The Future" tatsächlich Tina Turner (!) aus den Boxen röhrt, dann wird klar, wie sehr hier internationaler Anspruch und lokale Wirklichkeit auseinander klaffen.

Darum ist es auch besonders tragisch, dass mit dem Stadtkeller und der Birdie-Bar zuletzt zwei zwischengenutzte Top-Locations der Stadt verloren gingen. Der Stadtkeller - das waren ein paar hundert Quadratmeter bestes Berlin mitten in Linz. Und die angeschlossene Birdie-Bar - samt ihres Bretterverschlags im Gastgarten - gab dem Brückenkopfgebäude eine ganz eigene, urbane Note. Hier war Linz nicht beliebig, sondern zeigte sich die Stadt von ihrer vitalen Seite. Befreundete Besucher aus Wien, Graz, Köln, Oslo etc. waren davon immer mehr als angetan. Als Bürgermeister hätte ich mich auf die Gleise der Westbahn binden lassen, um diese einmaligen Orte vor anderweitigen Interessen zu retten. Aber mit einem Hang zu derartigem Aktionismus wird man hier auch nicht Bürgermeister.

Immerhin: Sorgen um das Solaris muss sich niemand machen. So wie die Musik bei der Vierjahresfeier wummerte, brummt dort auch weiterhin der Laden. Groß! Und mit dem Hafenstern und dem Missing Link in der Lessingstraße hat der Untergang der Birdie-Bar zwei Nachfolgeprojekte initiiert. Von letzteren beiden Plätzen bald mehr. Vielleicht schon beim nächsten Kurzbesuch am Nebenwohnsitz? Stay tuned.

Der Autor: Andreas Kump lebt in Wien, bereist von dort ständig Linz, und hat zu allem in der Stadt eine Meinung.



Dienstag, 22. Juli 2014

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