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Meinung

Diese Stadt braucht Texte

Andreas Kump


Do. 03.11.2011

 

Linz ist Brachland. Journalistisches. Nicht weil es hier etwa so öde wäre. Sondern weil hier so unglaublich viele Themen brach liegen. Das haben in vergangenen Jahren schon andere Personen erkannt, um dann aus ihrer jeweiligen Perspektive Abhilfe zu schaffen. Herausgekommen sind unterschiedlichste Zeitungs- bzw. Medienprojekte. Der Hillinger zum Beispiel, ein in den 1990ern gestarteter Versuch einer monatlichen Stadtzeitung. Später die Prairie, die über das Internet zeigen wollte, dass Linz keine Wüste ist. Auch der Neuner, das eigene Ankündigungsmedium von Linz09 (lange ist es her) zählt dazu. Nicht zu vergessen Spotz, dem zwar nicht die publizistische Luft, aber das nötige Geld ausging, um in der Stahlstadt weiterhin Druck (=Print) zu machen. Immerhin gibt es die Versorgerin noch. Die vierteljährliche Zeitung der Stadtwerkstatt. Hinter deren inhaltlicher Konzeption Kurt Holzinger steht. Ihm gelingt regelmäßig, was in dieser Stadt selten wer zusammenbringt: Eine relevante und lesenswerte Mischung aus lokalen und überregionalen (zumeist) Kulturthemen. Ein richtiges Stadtmedium, wie bspw. der Falter in Wien, ist das aber auch nicht. Ebenso wenig wie der jüngst, von der anderen Seite der Skala aus, gestartete Linzider. Dem fehlt es zwar nicht an Enthusiasmus, wenngleich sich die Berichterstattung in völlig anderen Lokalwelten abspielt, aber den eigenen Anspruch einer städtischen Monatsillustrierten mit Programmteil kann das derzeitige Team nicht einlösen.

Dabei würde dieser Stadt ein halbes Dutzend motivierter Journalisten wirklich gut tun. So lange sie nur aufmerksam und recherchefreudig sind. Was alleine die (somit fatalerweise den Tageszeitungen überlassene) Stadtpolitik an Themen hergeben würde... von Bereichen wie Stadtleben, kulturelle Vorberichterstattung, Gastro, Mode, Lifestyle etc. nicht zu reden. Eine Mischung müsste her. Daran sind nämlich alle vorhin genannten Medienprojekte (ausgenommen die Versorgerin) in Wahrheit inhaltlich gescheitert. An ihrer Monotonie. An den (fehlenden) Perspektiven (im Sinne der Blickwinkel). Ein Stadtmedium, wo Kulturstadtrat Erich Watzl im Interview darlegen darf, was Macciavellis Der Fürst nun wirklich zu seinem Lieblingsbuch macht, wo die Beth Edges ein fettes Porträt plus Fotostrecke bekommen, wo im Wirt am Graben gegessen und im Hafenstern getrunken wird, wo... so ein anderes Medium ist hier so bitter nötig wie möglich.

Anderswo geht es ja auch. Und ohne großem Medienhaus im Rücken. Im Ruhrgebiet zum Beispiel. Dort gibt es die Ruhrbarone. Ein Blog eines Journalistenkollektivs, das sich zweimal im Jahr auch ein Hochglanzmagazin gleichen Namens leistet. Die Mischung: Top! Die Positionen zu Stadtentwicklung und Lokalpolitik: Fundiert und treffend geschrieben, deswegen auch nicht zu ignorieren. Der große Vorteil: Mit Stefan Laurin haben die Ruhrbarone einen ausgesprochen guten Chefredakteur und Katalysator in ihren dünn besetzten und leider unterbezahlten Reihen. Auch wenn ich einen vergleichbaren Charakter in Linz derzeit nicht sehe: Ein Stadtmedium von der Qualität der Ruhrbarone würde die Stahlstadt insgesamt pushen. Und ein wenig Push hat noch keiner Stadt geschadet.

Der Autor: Andreas Kump lebt in Wien, bereist von dort ständig Linz, und hat zu allem in der Stadt eine Meinung.



Freitag, 25. Juli 2014

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