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Essays

HENRY MASON


Do. 01.04.2004

Wer die Meinung vertritt, in einem freien Markt würden die besten Künstlerinnen und Künstler nach oben schwappen wie die Fettaugen in der Nudelsuppe, kommt auf ebendieser dahergeschwommen und heißt wohl auch einen Franz Morak gut, unter dessen Ägide die gestaltende Kulturpolitik selbst der Deregulierung zum Opfer fällt. Überzogen formuliert sieht die Logik dieser Position so aus: Der freie Markt sei eine neutrale Instanz, eine blinde Justizia, die Spreu von Weizen trennt. Demzufolge wäre nur eine künstlerische Arbeit, die auf dem Markt Erfolg hat, eine gute. Der Markt wäre der Garant für Qualität, gestaltende Kulturpolitik seitens der Regierung würde so zunehmend überflüssig.

Ich vertrete nun nicht die naiv-romantische Position, nach der nur ein armer Künstler ein guter Künstler ist, weiß aber, dass es gute, der Öffentlichkeit unbekannte KünstlerInnen genauso gibt wie erfolgreiche, grottenschlechte. (Van Gogh hat ein Bild verkauft. An seinen Bruder.) Die Lüge, dass nur das Erfolgreiche gut ist, ist dennoch eine, die wir kollektiv verinnerlicht haben. Die Massenmedien propagieren eine Rangliste des Erfolges: Je weiter oben eine Künstlerin sich in der Rangliste befindet, desto besser ist sie. Kunstschaffende wie Publikum wissen, wie es richtig geht: Burgtheater, Berlin, Beverly Hills. Wer es nicht in die Rangliste der Großen und Guten schafft, ist ein Loser. Das Publikum weiß es, und missachtet den unbekannten Künstler. Der weiß es auch, und missachtet sich manchmal selbst.

Die Provinzstadt Linz leidet unter ähnlichen Gefühlen der Minderwertigkeit, die sie unter anderem jährlich mit dem teuren Schall und Rauch einer Klangwolke zu überspielen versucht. Insgeheim vermutet Linz, dass die echte Kultur woanders stattfindet. Was hätten echte KünstlerInnen in Linz verloren? Wenn Linz welche hätte, sie würden ja doch abwandern. (Siehe Birgit Minichmayr. Burg. Berlin. Beverly Hills?) Damit aber auch Linz zumindest mitknabbern darf am Kuchen der echten Kunst, kaufen seine Kulturveranstalter immer wieder um Unsummen "Namen" ein - von anderswo. Es gibt Kulturplaner und -veranstalter genug, die lieber im gespiegelten Glanz einer importierten Größe eine Stunde lang erstrahlen möchten wie Aschenputtel auf dem Ball (Stichwort 2009?), als darüber zu reflektieren, wie die Region nachhaltig gefördert werden könnte. Und auch wir KünstlerInnen tun uns zuweilen schwer damit, an Sinn und Wert einer Arbeit zu glauben, die weitab der Kulturmetropolen in keine Rangliste des Erfolges aufgenommen wird.

Moraks Kulturpolitik sieht ihr Ziel offenbar nach wie vor in der Mitfinanzierung von Touristenshows wie der Wiener Staatsoper, in der schleichenden Kürzung von Subventionsgeldern und dem Rückzug aus jener gestaltenden Arbeit, wie sie Marlene Streeruwitz in ihrer Rede zur Eröffnung der Grazer Diagonale eingefordert hat, die die Rahmenbedingungen des Kulturbetriebs neu absteckt und Raum für kulturelles Wachstum schafft.

Wie könnte eine solche gestaltende Kulturpolitik, die an das kreative regionale Potential glaubt, in Linz aussehen? Es gibt, um nur das mir vertrauteste Beispiel zu bringen, im Augenblick keinen Raum in Linz, in dem freie TheatermacherInnen proben und produzieren können. Für ein Theaterprojekt wird im Normalfall zwischen einem und zwei Monaten geprobt; damit sich das ganze dann künstlerisch wie finanziell rentiert, sollte eine Serie von 10 oder 20 Vorstellungen gespielt werden können. Weder der Posthof, noch das Landestheater, noch das Theater Phönix haben die Kapazitäten, freien Gruppen für solche Zeitspannen Räume zur Verfügung zu stellen. Die TheatermacherInnen, die unterm Jahr in Linz zu produzieren versuchen, sind daher diejenigen, die hartnäckig genug sind, trotz geringem Interesse der Öffentlichkeit für ihr Tun ihre Zelte unter unzulänglichen Bedingungen am Rande bestehender Institutionen aufzuschlagen. Die weniger hartnäckigen, darunter ein Großteil der an der Bruckner Uni in Linz ausgebildeten Jungschauspieler, wandern ab und werfen sich anderswo in die Schlacht um Erfolg und Anerkennung. Hier liegt Talent brach, weil ihm kein Raum zugestanden wird. Hier hilft kein freier Markt, sondern nur echte Kulturpolitik.

Das Festival der Regionen, Projekte wie die (leider gewesenen) Sommertheatertage in Leopoldschlag, ein eigenes Theatersportteam im Posthof - das sind ein paar der Resultate kulturpolitischer Entscheidungen, die im Glauben an das spezifische Potential einer Region getroffen wurden. Ein eigenes Haus für die freien oberösterreichischen Tanz- und TheatermacherInnen in Linz, das sich selbst verwaltet und eine Vielfalt an Formen vertritt, wäre ein weiteres Zeichen dafür, dass wir in Oberösterreich dem überteuerten Importgemüsesortiment im Supermarkt den eigenen Garten vorziehen.


Henry Mason ist freischaffender Regisseur, Autor und Schauspieler.



Samstag, 27. Mai 2017

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